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Informationen zur Stammzelltransplantation für Patienten


Wirkungsmechanismen der Transplantation gegen Tumorzellen

Bei der Chemotherapie darf die normale Blutbildung im Knochenmark des Patienten nur vorübergehend, aber keinesfalls dauerhaft geschädigt werden. Bei der Knochenmarktransplantation muß darauf keine Rücksicht genommen werden, da die Stammzellen im Transplantat die blutbildenden Zellen im Patienten ersetzen. Die Dosis der Tumortherapie kann so um das 3- bis 5-fache gesteigert werden. Dadurch können auch Tumorzellen eliminiert werden, die herkömmlichen Chemotherapiedosen widerstanden haben. Eine weitere Dosissteigerung wird durch die starke Gefährdung von anderen Organen wie Lunge, Leber, Herz, Darm oder Nieren begrenzt.

Restliche Tumorzellen nach Chemotherapie müssen eliminiert werden

Schrittweise Elimination von Tumorzellen: Nach der konventionellen Chemotherapie folgt die Knochenmark-Transplantation; gegen wenige verbliebene Tumorzellen wirkt das Immunsystem

Vergleich der möglichen relativen Chemotherapiedosen ohne und mit nachfolgender KMT

Das Immunsystem kann die Anti-Tumor-Wirkung von Chemotherapie ergänzen, indem es eine kleine Zahl von restlichen Tumorzellen eliminiert. Eine größere Tumormasse kann jedoch vom Immunsystem allein nicht beherrscht werden. Nach Knochenmarktransplantation
hängt die Stärke der Immunwirkung von der Art des Knochenmark-Spenders ab.

Vorbehandlung des Patienten (Konditionierung)

Die Vorbehandlung des Patienten, die sogenannte Konditionierung, erfolgt unmittelbar vor der Transplantation. Die Konditionierung ist das Kernstück der Therapie, durch die die restlichen noch im Körper des Patienten befindlichen Leukämiezellen abgetötet werden sollen. Sie besteht aus einer hochdosierten Ganzkörperbestrahlung und/oder einer hochdosierten Chemotherapie. Neben den Leukämiezellen werden auch alle normalen blutbildenden Zellen und das gesamte Immunsystem zerstört. Die Konditionierung dauert insgesamt vier bis acht Tage.

Die Transplantation

Die eigentliche Transplantation des Knochenmarkes oder der Blutstammzellen erfolgt nach Abschluß der Konditionierung. Bei der autologen Transplantation werden die zuvor bei –196°C in Plastikbeuteln gelagerten Blut- oder Knochenmark-Zellen vorsichtig in einem Wasserbad aufgetaut. Die Stammzellen sind nun wieder funktionstüchtig. Wie eine gewöhnliche Bluttransfusion wird dann das frisch aufgetaute Transplantat dem Patienten über einen Venenkatheter zurückgegeben. Bei der allogenen Transplantation wird das Knochenmark dem Spender meist erst am Tag der Transplantation entnommen und dem Patienten direkt über ein Transfusionsbesteck gegeben. Im Blutstrom finden die Stammzellen ihren Weg ins Knochenmark, wo sie sich in den leeren Markräumen ansiedeln und ihre Funktion der Blutbildung wieder aufnehmen.

Ganzkörperbestrahlung mit einem Linearbeschleuniger

Ein Zentralvenöser Dauerkatheter ist der Zugang für die Rückgabe der Stammzellen und für die Infusion von Medikamenten, Blutprodukten und künstlicher Ernährung

Unterbringung des Patienten in der KMT-Einheit

Die Regeneration des blutbildenden Systems aus den transplantierten Stammzellen dauert etwa zwei bis sechs Wochen. In dieser Phase ohne eigene Blutbildung und ohne funktionierendes Immunsystem ist der Patient durch Infektion und Blutungen besonders gefährdet und könnte ohne spezielle Überwachung und therapeutisch unterstützende Maßnahmen nicht überleben. Lebensnotwendige rote Blutkörperchen und Blutplättchen müssen durch Transfusionen gegeben werden. Die Gefahr bedrohlicher Infektionen wird durch die Unterbringung in der keimarmen Umgebung der Umkehr-Isolations-Einheit wirkungsvoll vermindert. Durch einen leicht erhöhten Luftdruck in den Zimmern wird das Eindringen keimhaltiger Luft von außen unterdrückt. Personal und Besucher betreten die Räume nur in Schutzkleidung durch eine Schleuse. Die Patienten erhalten meist zusätzlich hochwirksame Antibiotika. Die Zahl der weißen Blutkörperchen, die für die körpereigene Infektabwehr verantwortlich sind, wird täglich gemessen und zeigt an, wann der Patient die Spezialeinheit verlassen kann.

Pflege einer Patientin auf der KMT-Station

Regeneration der Blutbildung nach der Transplantation

"Leeres" Knochenmark nach der intensiven Vorbehandlung

Regenerierte Blutbildung einige Wochen nach Transplantation

Transplantation in Frankfurt

In Frankfurt werden seit 1990 Knochenmark- und Stammzelltransplantationen durchgeführt. Anfangs lag der Schwerpunkt der KMT in Frankfurt bei der autologen Transplantation. Seit 1993 gehören allogene Geschwistertransplantationen und seit 1998 Fremdspendertransplantationen zum regulären Transplantationsprogramm. Das Alterspektrum der transplantierten Patienten wurde in den letzten Jahren nach zwei Seiten erweitert. Seit 1996 werden in Frankfurt auch Kinder transplantiert. Es entstand eine eigenständige pädiatrische Transplantationseinheit, die beständig erweitert wird und nun auf dem Weg ist, eines der führenden Zentren für die Transplantation von Kindern in Deutschland zu werden. Im Jahr 2003/04 wird das pädiatrische Transplantations-zentrums durch den Neubau eines Betten- und Laborgebäudes räumlich und kapazitätsmässig weiter ausgebaut. Zusätzlich zur Geschwister- und Fremdspendertransplantation hat sich das pädiatrische Zentrum auf haploidente Transplantationen von Blutstammzellen eines Eiternteils auf Kinder spezialisiert.
Zum anderen konnte die Altergrenze für allogene Transplantationen bei Erwachsenen, die 1990 noch bei 40 Jahren lag, durch die Einführung der dosisreduzierten Konditionierung auf über 60 Jahre angehoben werden.
Insgesamt wurden in Frankfurt bis zum Jahr 2003 über 600 Erwachsene und Kinder transplantiert. Die jährlichen Transplantationszahlen liegen nun bei über 100 Patienten (>75 Erwachsene und 25 Kinder).

Bisherige Erfolge und neue Ziele

Der KGF begleitet den Weg der KMT in Frankfurt seit 1994 mit gezielter Förderung. Die wesentlichen, bei der Gründung des KGF formulierten Ziele wie der Ausbau der allogenen Transplantation und der Aufbau der Fremdspendertransplantation wurden erreicht.
Seither hat der KGF Anschubfinanzierung für neue wissenschaftliche Projekte zur Verfügung gestellt und die Ausstattung für die Betreuung der Patienten auf der KMTStation verbessert.

Laufende Projekte sind:

  • Therapie mit Radioimmunkonjugaten bei Hochrisiko-Leukämien
  • Untersuchung des Chimerismus nach allogener Transplantation
  • Verbesserung von Frühdiagnose und Therapie der Graftversus-Host-Disease
  • Neudefinition der Rolle der autologen Transplantation bei akuten Leukämien
  • Verminderung der Toxizität der allogenen Transplantation

 

 
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